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| Berlin |
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16.11.2004
Vom Gangster Boy zum Vorbild 18-jähriger
Libanese wird für Zivilcourage geehrtMit zwölf geht es los.
Da rasiert sich Mohammed El-Ahmad, den alle nur Hamudi nennen,
zwei schmale Streifen über dem rechten Ohr und gründet eine
Straßengang: die Arabischen Gangster Boys, kurz: AGB. Der
Neuköllner Kiez zwischen Thomasstraße, Körnerpark und Mittelweg
ist ihr Revier, hier schlagen sie kaputt, was ihnen im Weg steht,
sie stehlen, prügeln und ziehen Gleichaltrige ab. Mal sind zehn
AGBs unterwegs, mal 20 oder 30. „Wir hatten fast jeden Tag mit der
Polizei zu tun“, sagt Mohammed El-Ahmad. Immer wieder wird Hamudi
von den Polizisten nach Hause gebracht, weil sie ihm wegen seiner
Strafunmündigkeit nichts anhaben können. Als der gebürtige
Libanese 14 wird, landet er mehrfach vor Gericht, kommt aber jedes
Mal um eine Gefängnisstrafe herum.
Die Lehrer, die Richter,
die Polizisten – kaum jemand hätte damals wohl noch einen Cent auf
Hamudis Zukunft gesetzt. Hamudi schafft es trotzdem: Seine Gang
ist aufgelöst, der Hauptschulabschluss in der Tasche, seit drei
Jahren arbeitet Mohammed El-Ahmad als freiwilliger Helfer im
Jugendfreizeitheim „Mittelweg 30“. Am heutigen Dienstag wird der
18-Jährige von der Initiative „Fenster der Gewalt“ für seine
Zivilcourage ausgezeichnet. Die Jury schreibt: „Auch auf Grund
seiner Vergangenheit hat er sich zur Vertrauensperson und zum
Ansprechpartner für Jugendliche entwickelt.“
Ein
Patentrezept für Politik und Polizei hat Hamudis Biografie nicht
zu bieten. Denn es sind weder Strafen noch ausgeklügelte
Erziehungsprogramme, die Hamudi auf den Weg bringen, sondern es
sind der Zorn und die Enttäuschung des Vaters. Mit 15 fühlt
Hamudi, dass er „eine Schande ist und den Vater entehrt“ hat. Als
der Junge beginnt, genauer hinzuschauen, merkt Hamudi, dass er von
Gleichaltrigen gefürchtet, aber nicht geliebt wird. Bald öden ihn
die Rituale in seiner Gang an, der ewige Spott und die Gewalt. Bei
den AGBs entwickelt sich Hamudi zum Goodboy, höhlt gewissermaßen
als steter Tropfen den Stein. Der Preisträger lächelt. „Da hat
sich die Gang nach und nach aufgelöst.“Katja Füchsel
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