Mittwoch, 17. November 2004
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E-MAIL EINES
SCHÜLERS: NUN KOMMT DER PRÄSIDENT NACH KAULSDORF
Walter
Momper zu Gast in der Jules-Verne-Oberschule
Die E-Mail
an Walter Momper kam aus Marzahn-Hellersdorf: Stefan, Schüler der
Jules-Verne-Oberschule in der Wernerstraße 48 (Kaulsdorf), lud kurzerhand den
Präsidenten des Abgeordnetenhauses zu einer Diskussionsveranstaltung ein: Termin
und Thema könnten vereinbart werden. Name der Veranstaltung: "Forum
Jules-Verne-Oberschule".
Parlamentspräsident
Walter Momper sagte spontan zu. Das war im August 2004. Jetzt kommt der Termin
zustande - selbstverständlich unter Beteiligung des Schulleiters Robert Giese:
Am Donnerstag (18. November 2004) um 19.00 Uhr diskutiert Walter Momper mit den
Schülerinnen und Schülern über das Thema "Baustelle Berlin - wer packt wo
an?".
Die
Jules-Verne-Oberschule, an der Grenze zwischen dem Siedlungsgebiet
Mahlsdorf-Kaulsdorf und den Plattenbauten Hellersdorfs gelegen, war die erste
Reformschule der Wendezeit in Ost-Berlin und der DDR. Die Direktorin wurde
abgesetzt, ein Mitstreiter des Neuen Forums zum Schulleiter gewählt. Die
DDR-Behörden wagten nicht mehr einzugreifen. Ein Schulgebäude wurde besetzt, um
der Schule ausreichend Raum zu geben, auch dies wurde hingenommen. Die Schule
erklärte sich zur ersten integrierten Gesamtschule der DDR. Das erste Konzept
nach der Wende enthielt das Ziel, eine Gesamtschule mit Grundstufe und
gymnasialer Oberstufe aufzubauen. Diese Projekt ist an bürokratischen
Widerständen gescheitert, da der Schule vom Schulträger kein Schulkomplex mit
genügend Räumen an einem Standort zur Verfügung gestellt wurde. Immer mussten
Schüler und Lehrer bis zu 20 Minuten zwischen einzelnen Unterrichtsstunden
"wandern".
Aus der
Erfolgsbilanz der Jules-Verne-Oberschule:
1998 -
2001 Einzige Schule
Berlins und der neuen Bundesländer im Netzwerk der
Führenden Medienschulen Deutschlands" bei der
Bertelsmann-Stiftung.
1999
Evaluation der Arbeit mit modernen Medien durch die OECD,
das
Konzept wird den europäischen Schulen zur Nachahmung
empfohlen.
2000
Verabschiedung des Leitbildes, anschließend
Realisierung
gruppenpädagogischer Vorstellungen und des Teamprinzips:
alle
Lehrer gehören Teams an, die über ein hohes Maß an
Eigenverantwortung
verfügen. Die Schule gibt sich ein musisch-kommunikatives
Profil.
2000
Einführung des Faches Medienkunde. Bisher die einzige Schule
Berlins.
2001
Auszeichnung des Beitrages zum Projekt "Demokratisch
handeln"
2002
Die Jules-Verne-Oberschule vertritt im Auftrag von Ministerin
Bulmahn
Deutschland bei der Videokonferenz der europäischen
Kultusminister.
2004
Teilnahme am Projekt "Schule ohne Rassismus" und an Public
action.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Konzepte gegen
Rechtsextremismus gescheitert
CDU:
Politik muss die Jugend zurückgewinnen / Suche nach neuen Wegen auch in PDS und
SPD
Andrea
Beyerlein
POTSDAM.
Die Aktivitäten Brandenburgs zur Bekämpfung des Rechtsextremismus sind nach
Auffassung von CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek "in weiten Teilen gescheitert".
Gerade junge Leute wendeten sich verstärkt dem rechten Rand zu. "Das sind alles
Leute, die die brandenburgische Schule durchlaufen und die Landespolitik der
letzten zehn Jahre erlebt haben", sagte Lunacek am Dienstag. Die Politik müsse
nach Wegen suchen, sie zurückzugewinnen. Dazu gehöre es auch, eine gemeinsame
Sprache zu finden. "Begriffe wie Nation oder Stolz auf das eigene Land dürfen
nicht länger tabuisiert werden", sagte der
CDU-Fraktionschef.
Letzter
Auslöser für die Debatte in der gemeinsam mit der SPD regierenden CDU war der
Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Wochenende in Halbe. Etwa 1 600 waren zum
"Heldengedenken" zu dem dortigen Soldatenfriedhof gekommen - doppelt so viele,
wie von der Polizei erwartet. "Und der Großteil waren keine dumpfen
Krawallmacher", sagte Lunacek. Darüber hinaus "muss es bedenklich stimmen", dass
15 Prozent der Erstwähler bei der Landtagswahl im September die rechtsextreme
DVU gewählt hätten. Bei den männlichen Erstwählern habe der Anteil sogar bei
knapp 20 Prozent gelegen. Insgesamt rückte die DVU mit einem Stimmanteil von 6,1
Prozent wieder in den Landtag ein.
"Wir müssen
gemeinsam überlegen, wie wir an diese Jugendlichen herankommen, sie für die
positiven Ansätze der Demokratie gewinnen. Es besteht riesiger Handlungsbedarf",
sagte Lunacek. Die Konzepte der vergangenen zehn Jahre hätten offenkundig nicht
funktioniert. Dabei spiele es eine zentrale Rolle, was an den Schulen geschehe,
wie authentisch Lehrer die Werte der Demokratie vermittelten. "Die Jugendlichen
suchen Antworten."
Die Union
wolle sich in den Wahlkreisen verstärkt in rechte Gruppen hineinbegeben, sagt
Lunacek. Dabei werde seine Partei auch Begriffe wie Heimat und Nation in den
Vordergrund stellen. "Ganz normale Gefühle wie der Stolz auf das Heimatland
dürfen nicht länger verpönt sein", sagte er. "Die multikulturelle Gesellschaft
ist blanke Illusion." Das würden die jungen Leute selbst erleben, wenn sie in
Berlin im Zug von Ausländern zusammengeschlagen würden.
Angriffe
von SPD-Politikern gegen die DVU nannte Lunacek dagegen "überzogen". Wer die
Partei des Münchner Verlegers Gerhard Frey in die Nähe der NSDAP rücke,
verharmlose die Vergangenheit. Nach seiner Einschätzung sei die DVU nicht
rechtsextrem, sondern allenfalls rechtsradikal, sagte
Lunacek.
In der
jüngsten Landtagssitzung hatte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD,
Christoph Schulze, einen DVU-Abgeordneten wegen seines schwachen
Ausdrucksvermögens angegriffen. Der Mann stottert. SPD-Fraktionschef Günter
Baaske hatte die DVU unter Verweis auf ihre angestrebte Kooperation mit der NPD
eine "Nazi-Partei" genannt. Dagegen haben die Rechtsextremen rechtliche Schritte
angekündigt. Baaske warnte am Dienstag erneut vor Verharmlosungen: "Wer den
strammen Aufmarsch in Halbe gesehen hat, weiß, da waren Rechtsextremisten am
Werk", hielt er Lunacek entgegen. Bis Anfang Dezember will er ein Konzept zum
Umgang mit der DVU und anderen rechtsextremen Kräften
vorlegen.
Auch die
PDS ringt noch um ihre Position gegenüber den Rechts-extremen. In einer
Fraktionsdebatte mit dem Parteienforscher Richard Stöss sagte der Frankfurter
Abgeordnete Frank Hammer, er habe die DVU in Brandenburg anders erlebt als die
NPD: "Das ist eher eine bürgerliche Partei, die hin und wieder Ausflüge ins
Rechtsextreme macht." Andererseits bekomme er in PDS-Versammlungen von älteren
Genossen zu hören, "wir müssen auch über den Niedergang der deutschen
Nationalkultur reden." Stöss, seit über 30 Jahren mit der Parteienentwicklung
befasst, sagte, er mache bezüglich des Rechtsextremismus keine neue Situation
aus. Um den Ursachen entgegenzuwirken, müsse mehr für die Persönlichkeitsbildung
junger Menschen getan werden. Einen Rat wollte er der PDS allerdings nicht
erteilen.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Vom Schläger zum
Gutmenschen
"Fenster
der Gewalt" zeichnet vier Berliner Jugendliche für ihre Zivilcourage
aus
Simon
Ziegler
Der erste
Stock des Cafés Breslau Fuego platzt beinahe aus allen Nähten. Mohammed, Arwed,
Katrin und Vanessa sitzen auf dem Podium. Die vier Jugendlichen werden geehrt.
Sie alle haben Erstaunliches im Umgang mit Gewalt geleistet. Grund genug für die
Initiative "Fenster der Gewalt", den vieren ihre Anerkennung auszusprechen und
ihnen ein 100-Euro-Geldgeschenk zu überreichen.
"Dein
Gesicht will ich nicht mehr sehen!" Mit diesen Worten wurde Mohammed 2002 von
seinem Vater bei der Polizei abgeholt. Am Abend zuvor hatte der damals
16-jährige Libanese einen Roller gestohlen. Die Spritztour endete im Knast - für
24 Stunden. Dass Mohammed El-Ahmed gestern trotzdem auf dem Podium sitzen
durfte, liegt daran, dass er sich geändert hat. Aus einem Schläger wurde ein
Sozialarbeiter. "Die Worte meines Vaters haben mir sehr wehgetan", blickt der
heute 18-Jährige zurück, "ich wollte ihn nicht entehren."
Mit zwölf
Jahren gründete Mohammed mit seinen Freunden die Jugendgang "Arabische
Gangsterboys", kurz: AGB. Im Kiez um den Körnerplatz in Neukölln trieben sie
vier Jahre ihr Unwesen. Sie überfielen Zeitungsgeschäfte, bedrohten und schlugen
zu.
Vorbild
sein
Heute
arbeitet Ahmed ehrenamtlich im Kinder- und Jugendzentrum "Lessinghöhe" am
Mittelweg. Er organisiert Fußballturniere und Sandkasten-Olympiaden. Und er
redet mit den Kids. "Das Wichtigste ist, dass sie nicht die gleichen Fehler
machen wie ich", sagt er.
Mit Gewalt
hatte Arwed Schmidt vorher nichts zu tun. Am 28. Januar 2004 legte er seine
schriftlichen Abiturprüfungen an der Albert-Einstein-Oberschule ab. Zwei Tage
später baute er mit anderen Abiturienten einen Schneemann, dem sie "Abi 2004" in
den Bauch ritzten. Muslimische Schüler der angrenzenden Realschule sahen darin
wohl eine Provokation. Sie griffen Arwed an und schlugen auf ihn ein, so dass
dieser schwere Prellungen davontrug. Und sie bedrohten den Abiturienten. Sollte
er zur Polizei gehen, könne er mit weiteren Maßnahmen
rechnen.
Doch Arwed
hielt sich nicht daran. Er erstattete Anzeige. Mit seiner Hilfe konnte einer der
Täter identifiziert werden. Und nicht nur das: Er beschloss, die Zusammenarbeit
der beiden Schulen zu verbessern. Nach einem knappen Jahr blickt er auf eine
stolze Zwischenbilanz. "Die Vertrauenslehrer und die Schülervertretungen der
beiden Schulen sind im ständigen Kontakt und auch die beiden Schülerzeitungen
denken darüber nach, gemeinsame Projekte zu starten."
Auch die
Arbeit von Katrin und Vanessa fand die Anerkennung der Jury. Seit vier Jahren
sind die beiden Streitschlichter an der Werner-Stefan-Oberschule in Kreuzberg.
"Früher haben wir andere provoziert", erzählt Katrin. "Heute gehen wir
dazwischen, wenn zwei sich prügeln", pflichtet ihre Freundin Vanessa
bei.
Die
Initiative "Fenster der Gewalt" wurde von dem Autor Lothar Berg ins Leben
gerufen. Er wolle mit Jugendlichen, die auf dem Weg in die Kriminalität sind,
ins Gespräch kommen, sagte Berg. Unterstützt wird er von zahlreichen Künstlern
und Vereinen.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Wenn Worte über
Fäuste siegen
Vier Berliner
Jugendliche werden von "Fenster der Gewalt" für ihr couragiertes Handeln
ausgezeichnet
Von Sylke
Heun
Ganz geheuer war den
vier Jugendlichen der Andrang nicht. Sie saßen gestern dicht beieinander im Café
Breslau Fuego in Friedenau. Ihre Familien waren gekommen und viele
Medienvertreter. Alle ihretwegen. "Unsere Helden", sagten der Schauspieler Frank
Kessler und der Schriftsteller Lothar Berg von der Initiative "Fenster der
Gewalt", sie ehrten die Jugendlichen, die in ihrem Alltag Zivilcourage bewiesen
hatten. Sie bekamen dafür eine finanzielle Aufmerksamkeit und die Möglichkeit,
bei Unternehmen Praktika zu absolvieren. Helden? Die vier schauten betreten zur
Seite, so als wäre das ganz normal gewesen.
Fall 1:
Mohammed El-Ahmad,
den alle nur Hamudi nennen, gründet mit zwölf Jahren in Neukölln eine
Straßengang und verbreitet unter Kindern und Jugendlichen Angst und Schrecken.
"Diebstahl war ein Kick für uns", sagt der heute 18jährige; Prügel, Abziehen und
Demütigungen sind an der Tagesordnung. Seine Zukunft scheint klar: "Für mich
waren alle Spinner, die mich zur Vernunft bringen wollten." Als der Vater ihn
mal wieder von der Polizeiwache abholen muß, straft er den Sohn zum ersten Mal
statt mit Vorwürfen mit Nichtachtung und sagt: "Geh mir aus den Augen." Der
Moment verändert Hamudis Leben. Er erinnert sich: "Es war ein eiskaltes Gefühl
zu merken, daß mein Vater nicht stolz auf mich war." Zeitgleich bemerkt er, daß
andere Jugendliche sich mit Respekt statt mit Angst begegnen. Hamudi beginnt
umzudenken. Freiwillig engagiert er sich in der Jugendeinrichtung "Mittelweg
30", er bleibt friedlich und versucht zwischen anderen Streit zu schlichten. Es
dauerte eine Weile, der Spott der anderen macht es ihm schwierig, aber
schließlich begegnet ihm Vertrauen. "Von meiner Clique haben es nur ein paar
kapiert, die meisten sitzen heute im Gefängnis." Hamudi dagegen arbeitet nach
wie vor in der Jugendeinrichtung. Wie soll es weitergehen? Der gebürtige
Libanese zuckt mit den Achseln. "Weiß ich noch nicht. Aber Sozialpädagoge ist
ein cooler Job."
Fall 2:
Arwed Schmidt (19)
hat immer gedacht, "daß mir so was nicht passieren kann". Aber als der
Abiturient am 30. Januar 2004 vor seiner Schule in Neukölln einen Schneemann
baut und Jugendliche der Nachbarschule vorbeikommen, eskaliert die Situation.
Einer will den Schneemann zertreten, Arwed stellt sich in den Weg und liegt
plötzlich am Boden. "Sie waren 15 und ich war allein", sagt er. Obwohl er weiß,
daß es Ärger geben wird, identifiziert er wenig später einige der Täter. "Die
wurden mit Handschellen abgeführt, das war ziemlich demütigend", sagt er. Die
Folge: Arwed wird bedroht, zweimal lauern ihm professionelle Schläger auf. Daß
ihm nichts geschieht, verdankt er Freunden, die ihn fortan immer zu Hause
abholen und nach der Schule begleiten. Nach dieser Erfahrung setzt Arwed sich
für mehr Kommunikation zwischen den Schulen ein. Aus den ersten Treffen
entstehen gemeinsame Projekte. Der Umgang ist jetzt
friedvoller.
Fall 3:
Vanessa Schloicka
(16) aus Tempelhof und Kati Fels (17) aus Kreuzberg wissen, was Gewalt ist. Sie
haben sie in ihren Familien erlebt und sie setzten sie selbst ein. Schubsen,
prügeln, schlagen, "das volle Programm", sagen sie. Das ändert sich, als sie an
die Werner-Stephan-Oberschule kommen. Sie werden beide Klassensprecherinnen und
nehmen am Training zum Streitschlichter teil. Sie tragen Verantwortung,
Selbstbewußtsein und Respekt ersetzen Angst und Gewalt. Vanessa: "Wenn mich
einer angreift, würde ich wahrscheinlich immer noch zurückschlagen. Aber es
passiert einfach nicht mehr."
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Mittwoch, 17. November 2004
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Die jungen Deutschen sind einer Studie der Werbeagentur BBDO Europe zufolge bodenständiger als ihr Ruf. Ehe, Familie, harte Arbeit und Engagement für eine gute Sache spielten für die meisten eine bedeutendere Rolle als Partys, Geld und schneller Ruhm. BBDO hatte 1.600 Menschen in 7 europäischen Ländern befragt. (dpa)
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Mittwoch, 17. November 2004
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VON FELIX LEE
UND RICHARD
ROTHER
In den Streit um das Semesterticket ist wieder Bewegung gekommen. Nachdem die StudentInnen der Technischen Universität (TU) vergangene Woche mit einer Dreiviertelmehrheit für das um 23 Prozent verteuerte Semesterticket stimmten, überlegen sich nun auch die Studierenden der Humboldt-Uni (HU), ob sie ihre ablehnende Haltung überdenken sollen. Heute Abend will das Studierendenparlament (Stupa) entscheiden, ob sie ein zweites Mal das Semesterticket zur Urabstimmung stellen sollen. An der Freien Universität (FU) könnte es im Januar eine neue Abstimmung geben.
Die Chancen für eine neue Urabstimmung an der HU stehen gar nicht schlecht. Denn neben dem CDU-nahen RCDS gibt es nun auch mindestens zwei linke Listen im Stupa, die für eine zweite Urabstimmung sind. Seit klar ist, dass der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) von seinem Preis in Höhe vo 141 Euro nicht mehr abrücken wird, müsse man die StudentInnen erneut befragen, findet auch Peter Hartig, Öffentlichkeitsreferent des ReferentInnenrats, der offiziellen Studierendenvertretung der Humboldt-Uni.
Der ReferentInnenrat hatte sich noch bei der ersten Urabstimmung im Juli gegen die Annahme ausgesprochen und für einen Alternativpreis in Höhe von 118,50 Euro plädiert. Damals waren die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Zwar war abzusehen, dass der VBB von den 141 Euro nicht runtergehen würde. Offen war jedoch noch, ob das Ticket, so wie für die Studierenden in Potsdam und Frankfurt (Oder), für ganz Berlin-Brandenburg gilt oder nur im Berliner Stadtgebiet. Die Verkehrsbetriebe blieben aber kompromisslos. "Der VBB hat auf arrogante Weise klar gemacht, dass er nicht weiter verhandeln wird", sagt Hartig.
Für die Humboldt-Studis wird es zeitlich nun eng. Stimmt eine Mehrheit im Stupa für einen zweiten Urnengang, müssen die Abstimmungsergebnisse spätestens eine Woche vor Beginn der Weihnachtsferien vorliegen. Denn dann verschickt die Uni-Verwaltung die Zahlscheine, mit denen neben den Semesterbeiträgen ans StudentInnenwerk und den Verwaltungsgebühren auch die Gebühren des Semestertickets für das Sommersemester 2005 bezahlt werden.
Für die rund 40.000 Studierenden der Freien Universität ist der Zug bereits abgefahren, zumindest für das kommende Sommersemester. Die Rückmeldeunterlagen für das Sommersemester werden bereits gedruckt und ab Dezember verschickt. Wie es nun weitergeht, soll auf der nächsten AStA-Sitzung am Montag entschieden werden. Eine Variante ist, dass im Januar eine Urabstimmung durchgeführt wird. Ein positives Votum vorausgesetzt, könnte das - verteuerte - Semesterticket an der FU frühestens im nächsten Wintersemester eingeführt werden.
Mit dem 141-Euro-Ticket werde das Prinzip der Umsatzneutralität verletzt, kritisierte die FU-Semesterticket-Beauftragte Nicole Eschner. Der VBB dürfe keinen Gewinn mit dem Ticket machen, sonst sei der Preis nicht vor den Studenten zu rechtfertigen. "Für viele, vor allem ausländische Studenten, sind 141 Euro kaum aufzubringen." Klar sei aber: "Wir setzen das Mandat der Studierenden um."
Die PDS-Verkehrsexpertin Jutta Matuschek begrüßte gestern das Votum der TU-Studenten. "Das überrascht mich nicht", so Matuschek. Sie habe seit längerem klar gestellt, dass es keine weiteren Verhandlungen gäbe. "Jetzt müssen an HU und FU so schnell wie möglich Urabstimmungen durchgeführt werden."
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Mittwoch, 17. November 2004
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VON PLUTONIA PLARRE
Zwei rasierte schmale Streifen über dem rechten Ohr waren das Erkennungszeichen. Der 18-Jährige Mohammed El-Ahmad, genannt Hamudi, war, was man einen jugendlichen Mehrfachtäter nennt. Im Alter von 12 Jahren gründete der gebürtige Libanese in der Neuköllner Altstadt die Straßengang AGB (Arabische Gangster Boys). Nur wer zum festen Kreis gehörte, durfte das Erkennungszeichen tragen. Die aus zwölf Jugendlichen bestehende Gang trieb viele Jahre lang rund um den Neuköllner Körnerpark ihr Unwesen: Sachbeschädigungen, Diebstähle, Körperverletzungen bis hin zum Raub - das Register der Straftaten war lang. Auch einen Überfall auf den Drogerie-Discounter Schlecker, bei dem sie die Kassiererin mit einem Butterflymesser bedrohte, hat die Bande verübt.
Zwei Gangmitglieder sitzen inzwischen im Knast. Sie haben einen Rollstuhlfahrer so zusammengeschlagen, dass der Mann seinen Verletzungen erlag. Ein anderes Bandenmitglied ist heute Junky.
Hamudi hingegen hat es rechtzeitig geschafft, sich von der Gang zu lösen. Seit drei Jahren führt er ein Leben ohne Straftaten. Aber nicht nur das. Im Neuköllner Jugendfreizeitheim "Lessing Höhe" bemüht sich der junge Mann als ehrenamtlicher Helfer um Jugendliche, die auf der Kippe stehen. Wegen seiner kriminellen Vergangenheit ist er für Jüngere zu einer wichtigen Vertrauensperson geworden.
Hamudi ist einer von vier Jugendlichen, die gestern von der Berliner Initiative "Fenster der Gewalt" für ihre Zivilcourage im Umgang mit Gewalt ausgezeichnet worden sind. Als Belohnung gab es 100 Euro pro Nase, die von der Berliner Stadtreinigung gesponsert wurden und Praktikumsplätze, die von mehreren Berliner Unternehmen ausgelobt wurden. Initiator der Aktion ist der 53-jährige Schriftsteller Lothar Berg. In seinem Buch "Fenster gegen Gewalt" hat Berg die eigene kriminelle Karriere vom Rocker über den Einbrecher bis hin zum Luden und Türsteher verarbeitet (die taz berichtete). Auch der Knast ist dem großen, hageren Mann mit den tätowierten Armen, kurzen grauen Haaren und Nickelbrille nicht fremd. Ziel seiner Initiative, der sich diverse Künstler, Privatleute und Unternehmen angeschlossen haben, sei, zu einem generationsübergreifenden, verantwortungsvollen Dialog über den Umgang mit Gewalt zurückzufinden, so Berg.
Das Schlüsselerlebnis, das Hamudi auf den rechten Pfad zurückbrachte, war der Blick seines Vaters, als er den Sohn nach dem Diebstahl eines Motorrollers neuerlich vom Polizeirevier abholen musste. Damals war Hamudi 15 Jahre alt. "Geh mir aus dem Gesicht, haben die Augen meines Vaters gesagt", erinnerte sich Hamudi gestern. "Das war sehr schmerzlich." Vom Vater wie Luft behandelt zu werden, habe er ebenso wenig ertragen wie die Ächtung, die ihm im Jugendfreizeitheim "Lessing Höhe" widerfahren sei.
Die vier Preisträger sind mit Hilfe der Polizei ausgewählt worden. Zu ihnen gehören ein 16- und 17-jähriges Mädchen, die sich an der Tempelhofer Werner-Stephan-Oberschule erfolgreich als Streitschlichterinnen engagieren. Außerdem ausgezeichnet wurde ein 18-jähriger Abiturient. Als er mit seiner Klasse einen riesigen Schneemann auf dem Schulhof gebaut hatte, war er von 15 Schülern der benachbarten Realschule umringt und von den Wortführern krankenhausreif geschlagen worden. Strafanzeige gegen die Täter zu erstatten, war das das eine. Das andere war, dass sich der Abiturient dafür einsetzte, dass zwischen beiden Schulen ein Dialog über Gewalt in Gang kam, der in einen ständigen Austausch und diverse gemeinsame Projekte mündete.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Der Junge mit dem
Peace-Zeichen
Ein Besuch im
Zeichen der Versöhnung / Jüdische und arabische Jugendliche aus Jerusalem in
Berlin
Von Brigitte
Holm
Eines
der tödlichen Attentate in Jerusalem: schreiende Menschen, Sirenengeheul, hastig
arbeitende Helfer. Unter denen, die blutüberströmt weggetragen werden, ein
junger Mann mit einem deutlich sichtbaren Peace-Zeichen an der Kleidung. Das
Fernsehen brachte diese Szene auch nach Deutschland in das Wohnzimmer von
Christian Weber, Kreisjugendpfarrer im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte. Mit
diesen Bildern im Kopf reiste er später nach Israel.
»Mitten in Jerusalem
tippte mir jemand auf die Schulter und meinte: Dich habe ich in einem
Fernsehbericht gesehen.« So, erzählt Elad Segev, der Junge mit dem
Friedens-Button, sei er mit Christian Weber bekannt geworden.
Mit einer
fröhlichen Feier wollte Roe Chon seinen Geburtstag am 2. Dezember 2001 beginnen.
Schließlich wird man nur einmal 20. Doch kurz vor Mitternacht gab es bei dem
Café, wo er sich mit seinen Gästen getroffen hatte, eine Explosion. Roe verlor
durch die Splitterbombe eines palästinensischen Selbstmordattentäters seinen
Bruder und drei seiner Freunde; andere, wie Elad Segev, trugen schwere
Verletzungen davon. Insgesamt gab es zehn Tote und über 200 Verletzte. Dieser
Anschlag gehörte zu den Ereignissen, die kurz darauf zu drakonischen
Gegenmaßnahmen der israelischen Regierung führten.
Die palästinensische
Autonomiebehörde wurde zu einer Institution erklärt, die den Terror unterstützt.
Kampfhubschrauber und Jagdflugzeug beschossen Ziele im Westjordanland und das
Hauptquartier von Yasser Arafat im Gaza-Streifen. Panzer rückten auf Ortschaften
im Palästinensergebiet vor.
Roe Chon und Elad Segev sind zur Zeit in Berlin,
mit ihnen angereist ist Aref Sayed, ein arabischer Israeli aus Ost-Jerusalem.
Die drei sind hier im Zusammenhang mit der ökumenischen Friedensdekade. Diese
findet seit 1980 alljährlich an den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag statt.
Die Idee kam ursprünglich aus den Niederlanden und wurde von den Kirchen in
West- und Ostdeutschland aufgegriffen. Sie erwuchs aus der Überzeugung, dass
Christinnen und Christen die Fragen des Friedens nicht der Politik überlassen
können. In der DDR waren die Dekaden seinerzeit vom Leitmotiv »Schwerter zu
Pflugscharen« geprägt.
An diese Vision der radikalen Abrüstung wagt in Bezug
auf Israel und Palästina kaum jemand zu denken. Aber dass »der Mensch mit dem
Menschen« ein friedliches Miteinander anstrebt, wie Roe sagt, das gibt es. Die
jungen Männer aus Jerusalem sind Freunde. »Der Frieden wird nicht von oben
kommen,« meint Elad, »Wir müssen damit beginnen.« Er ist Tontechniker in einer
Musikfirma und erzählt, dass er den Wehrdienst verweigert habe. Das war vor dem
Attentat. Nein, danach habe er nicht anders darüber gedacht. »Es ist ein
Teufelskreis, der da abläuft. Eine Eskalation zieht die nächste nach sich.«
Die Eltern von Roe glauben in ihrer Trauer um den anderen, getöteten Sohn
nicht mehr an einen Frieden. Doch sie lassen Roe gewähren. Was er tun muss, soll
er tun, meinen sie. Er selbst sieht keinen Widerspruch zwischen seinem
Wehrdienst, den er im besetzten Gebiet abgeleistet hat, und seiner Freundschaft
mit Aref, dem arabischen Musikstudenten. Er ist überzeugt, dass Israel – im
Gegensatz zu den Palästinensern – alles für den Frieden getan habe. Aref hält
das für eine einseitige Sicht. Er meldet auch Widerspruch an, als Roe die
Demokratie in Israel ohne Einschränkung lobt. Als arabischer Israeli hat er
andere Erfahrungen.
Ja, es gibt oft Meinungsverschiedenheiten. Früher, als
sie sich kennen gelernt haben, hätten sie sich noch öfter gestritten, ist zu
erfahren. Aber, sagt Roe, der Kunststudent: »Wir streiten uns – danach sitzen
wir zusammen, rauchen und hören Musik. Schließlich sind Aref und ich
gleichermaßen von solchen Attentaten bedroht. Der Friede kann nur von unten
beginnen.«
Fast mit denselben Worten zitiert Aref seine Mutter. Die Familie
wohnt nahe der Al-Aksa-Moschee, wo es immer wieder zu Auseinandersetzungen
kommt. Schon als Zehnjähriger musste er im Oktober 1990 miterleben, wie eine
Situation eskalierte: Die Steinwürfe von Jugendlichen endeten in einem Massaker,
nachdem die Polizei das Feuer eröffnet hatte. Zurück blieben über 20 tote und
150 verletzte Palästinenser. Auf die Pläne, die die Politiker immer wieder
machen, setzt seine Mutter schon lange nicht mehr. »Ein friedliches
Miteinander«, sagt auch ihr Sohn, »wird es nur geben, wenn die Menschen es zu
leben versuchen.« Die drei jungen Männer sind zusammen mit anderen Opfern des
Nahostkonflikts in Berlin. Sie hoffen, nicht in eine Heimat zurückzukehren, in
der Versöhnung und Frieden noch weniger Aussichten haben als zuvor.
Das von
Christian Weber organisierte Programm enthält vor allem Begegnungen, die auf
Versöhnung gerichtet sind: Nach Gesprächen mit der palästinensischen und
jüdischen Gemeinde und mit muslimischen Jugendlichen standen ein gemeinsames
Ramadanfest mit dem jüdischen Studentenverband, eine Veranstaltung mit attac und
die Teilnahme an einem Schülergottesdienst auf dem Plan.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Vom Bandenboss zum
Konfliktschlichter
Frühere
jugendliche Gewalttäter wurden für außergewöhnliche Zivilcourage
ausgezeichnet
Von Rainer
Funke
Vier
Jugendliche sind gestern für ihre »Zivilcourage in Konfrontation mit Gewalt«
geehrt worden. Neben einem Geldbetrag bedachte man sie mit jeweils einem
Praktikumsplatz in einem Maschinenbaubetrieb, einer Filmproduktionsfirma und
einer Schauspielagentur.
Zumindest hierzulande bedeutsame Mimen wie Ingo
Naujoks, Frank Kessler und andere, vor allem bekannt als gnadenlose Gangster
oder handfeste Kommissare in Kriminal- und Actionfilmen, übergaben die Preise
namens der Initiative »Fenster gegen Gewalt« und der Berliner Stadtreinigung.
Alle auf diese Weise gelobten Schüler haben tatsächlich über längere Zeit
nicht wenig Mut wie auch die Fähigkeit bewiesen, ihr eigenes Tun zu hinterfragen
und hernach zu ändern. A.S. beispielsweise geriet in einen ziemlich simplen
Streit um einen zwei Meter hohen Schneemann, den Jungs aus einer benachbarten
Schule zerstören wollten. Man trat und schlug den bereits am Boden liegenden S.
Als man ihn drängte, die Täter zu identifizieren, musste er sich zwischen Angst
und Verantwortungsgefühl für andere entscheiden.
Nach seinen Hinweisen
wurden die Schläger gefasst, aber man hörte nicht auf, ihm aufzulauern. Seine
Hartnäckigkeit schuf Solidarität. Und auf dieser Basis gelang es mit Hilfe auch
von Lehrern und Vertrauensschülern, eine »konfliktklärende Kommunikation« mit
der anderen Seite zu schaffen. Solche Gespräche haben sich inzwischen
eingebürgert. Der Umgang miteinander gilt jetzt als durchaus friedvoll.
M.A.
wiederum war Boss einer Straßengang in der Neuköllner Altstadt. Man klaute,
prügelte sich, nahm anderen einfach weg, was gefiel, oder demonstrierte einfach
seine Macht im Revier. Mit der Zeit war A. im beliebten Jugendklub nur noch
einer, mit dem man sich besser nicht anlegt. Er wurde nur noch ertragen.
Die
allgemeine Ächtung, auch in der Familie, führte ihn auf den konfliktträchtigen
Weg der Umkehr. Er legte sich mit seiner Clique an, bis sie langsam zerfiel.
Heute zählt er zu den Machern im Jugendklub. Und man hört ihm zu, weil er
manches aus eigenem Erleben eben besser weiß.
Die beiden Mädchen V.S. und
K.F. wiederum kommen aus sozial schwierigen Kiezen und gelegentlich
gewalttätigen Elternhäusern. Hieraus entwickelten sie selbst Aggressionen – ihr
Motto: Wenn ich schon kämpfen muss, dann aber das volle Programm. Nach der
Versetzung in eine andere Schule wurde alles anders.
Man ernannte die
streitbaren Mädchen zu Klassensprecherinnen. Sie beteiligten sich am Training
für Streitschlichterinnen, übten im Szenespiel erprobte verbale Mittel gegen
Gewalt und die Rhetorik des Schlichtens. Später gingen sie sogar dazwischen,
wenn sich zwei Jungs in den Haaren lagen. Nicht nur den Streit zu beenden,
sondern ihn auch im Nachhinein dauerhaft aufzulösen, die Parteien wieder zu
versöhnen, sehen sie als ihre Aufgaben an, wie in der Lobrede festgestellt
wurde.
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Mittwoch, 17. November 2004
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Deutschlands
Jugend
Konservativer als ihr
Ruf
Für die deutsche Jugend spielen
Familie, harte Arbeit und Engagement für eine gute Sache eine weitaus
bedeutendere Rolle als Reichtum, schneller Ruhm und Partys.
Keine Spaßgeneration, sondern
werteorientiert und zielstrebig: Die jungen Deutschen sind offenbar
konservativer als ihr Ruf. Für sie spielten Familie, harte Arbeit und Engagement
für eine gute Sache eine weitaus bedeutendere Rolle als Reichtum, schneller Ruhm
und Partys, heißt es in einer Studie unter jungen Europäern zwischen 18 und 30
Jahren. Allerdings ist die junge deutsche Generation auch die pessimistischste
unter den befragten: Nur 37 Prozent glauben, dass sie einmal ein besseres Leben
als ihre Eltern führen werden.
88 Prozent der befragten jungen Deutschen
gaben an, klare Ziele im Leben zu verfolgen. 41 Prozent erklärten, kein Problem
damit zu haben, härter zu arbeiten als ihre Eltern. Ein ähnliches Arbeitsethos
unter den jungen Europäern zeigen der Studie zufolge sonst nur noch die
Franzosen. Auch mit der Vorstellung, länger zu arbeiten, hat die junge deutsche
Generation keine Probleme: 36 Prozent lehnten eine frühe Pensionierung ab.
Getoppt wurden sie nur noch durch die jungen Russen, von denen 65 Prozent einen
frühen Ruhestand ablehnten.
Junge Europäer sind vom großen Traum,
ein Star zu werden, unbeeindruckt
Heiraten und eine Familie gründen
stehen bei 71 Prozent der befragten Deutschen hoch im Kurs. 60 Prozent hielten
es den Angaben zufolge auch für wichtig, dass erwerbstätige Mütter ihre Karriere
für die Kindererziehung unterbrechen.
Vom großen Traum, ein Star zu
werden, zeigen sich die jungen Europäer hingegen unbeeindruckt und lehnten es
mit großer Mehrheit sogar ab, berühmt werden zu wollen. Bei den Deutschen waren
es 65 Prozent.
Im Auftrag von BBDO Europe befragte das internationale
Research-Unternehmen Flamingo International im Zeitraum von August bis September
2004 insgesamt 1600 junge Europäer aus den Ländern Deutschland, England,
Frankreich, Italien, Russland, Spanien und Tschechien. Die Befragten waren im
Alter zwischen 18 und 30 Jahren.
AP
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